"Schule produziert lustlose Pflichterfüller"

In einem Interview vom 15. April 2012 spricht der bekannte Neurobiologe Gerald Hüther davon, dass "Lernen unter die Haut gehen muss". Je stärker sich der Lernststoff auf die Lebenswelt des Lerners bezieht, desto leichter fällt ihm das Verinnerlichen und das Gelernte ist eher wieder abrufbar. 

 

Auch Sprachen Voss vertritt diese These und bemüht sich stets, die Umwelt, die Interessen sowie den Alltag des Lerners in den Lernprozess miteinzubeziehen. 

 

Einen Ausschnitt des Interviews lesen Sie hier:

 

Karin Riss 

derStandard.at 

 

STANDARD: Sie sagen, um nachhaltig zu lernen, braucht das Hirn vor allem Begeisterung. Aber kann Lernen ohne Druck überhaupt funktionieren?

 

Gerald Hüther: Die Hirnforschung kann inzwischen zeigen, dass sich im Hirn nur dann etwas ändert, wenn es unter die Haut geht. Das Hirn ist kein Muskel, den man trainieren kann, indem man viel übt. Im Hirn passiert immer erst dann etwas, wenn derjenige, der lernt, das für sich selbst als wichtig beurteilt. Denn nur dann lässt man sich davon berühren, dann gehen die emotionalen Zentren an. Und immer dann, wenn im Hirn diese emotionalen Zentren aktiviert werden, wird eine Art Dünger ausgeschüttet. Der düngt gewissermaßen das Dahinterliegende, was man im Zustand der Begeisterung an Netzwerken aktiviert hat. Und das führt dazu, dass man immer das, was man mit Begeisterung lernt, auch so gut behält.

 

STANDARD: Warum lernen kleine Kinder so viel und leicht?

 

Hüther: So ein kleiner Dreijähriger hat ja am Tag 50 bis 100 Begeisterungsstürme, wo dann jedes Mal diese Gießkanne der Begeisterung im Hirn angeht und wo das alles gedüngt wird. So, und dann schicken wir die Kinder in die Schule. Da stimmt doch irgendetwas nicht, wenn dann an dem Ort, wo eigentlich diese Begeisterung genutzt werden sollte, das Wichtigste verlorengeht, was die Verankerung dieser neuen Erfahrung im Hirn erst ermöglicht. Da sind wir mit unserem Schulsystem offenbar auf einem Irrweg gelandet.

 

STANDARD: Wie kann Schule in Hinkunft denn gelingen?

 

Hüther: Es gibt bereits einige dieser anderen Schulen. Schulen, wo den Schülern etwas geboten wird, was sie verzaubert. Und das findet eben nicht statt, wenn man anfängt, Kinder zu unterrichten und ihnen etwas beibringen zu wollen. Es ist ein großes Missverständnis, zu denken, indem man dem anderen sagt, wie er's machen soll, könne man bei ihm im Hirn irgendeine Veränderung auslösen. So geht das nicht. Das geht nur, wenn der andere sich davon berühren lässt. Wenn er das toll findet. Dann will er's wissen. Und wenn er's wissen will, dann lernt er's auch. Es würde auch reichen, wenn die Kinder nur ein Fünftel der Zeit zur Schule gingen, wenn in dieser Zeit wirklich etwas passieren würde.

 

Das vollständige Interview lesen Sie hier: 

 

http://derstandard.at/1334368981969/Hirnforscher-Schule-produziert-lustlose-Pflichterfueller

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